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Begräbnis - Geschichte

Begräbnisstätten der Antike

Zu den berühmtesten Begräbnisstätten der Antike gehört das Tal der Könige im ägyptischen Theben. Dort fanden bedeutende Pharaonen ihre letzte Ruhe. Um 1000 vor Christus beschloss man, die in Sarkophage gebetteten Mumien in dieses einsame Tal zu bringen.

Die Grabhöhlen wurden tief in den Felsen hineingehauen. Hier sollten die Leichname der Könige unentdeckt von Grabräubern ihre ewige Ruhe finden. Fast 3000 Jahre lang blieben die Gräber tatsächlich unangetastet. Erst 1870 wurden sie entdeckt und geplündert, die Grabschätze nach und nach verkauft. Heute ist das Tal der Könige eine vielbesuchte Touristenattraktion.

Ein solches Bestattungsfeld für die Toten war im alten Ägypten allerdings die Ausnahme. Friedhöfe und eine Begräbnisordnung im heutigen Sinne gab es nicht. Tote wurden auf dem eigenen Stück Land oder in der Wüste verscharrt.

Bei den Griechen und Römern war das anders. Außerhalb der Städte entstanden erste Nekropolen – Felder, auf denen man die Verstorbenen der Bürgerschicht in einfachen Gräbern beerdigte. Vereinzelt wurden dort auch angesehene Menschen in aufwendigen Grabkammern beigesetzt.

Die Regel war jedoch, dass prominente und reiche Bürger innerhalb der Stadtmauern ein pompöses Grabmal erhielten: auf öffentlichen Plätzen und Märkten oder auch außerhalb der Stadt, an Landstraßen. So entstanden in Rom entlang der berühmten Via Appia viele solcher Ehrengrabmale.

Für Arme und Sklaven wurden ausgebeutete Stein- und Tongruben zur letzten Ruhestätte. Wer kein Geld für eine kostspielige Leichenbestattung hatte, wurde eingeäschert.


Das Christentum bringt die Friedhofskultur

Mit dem aufkommenden Christentum änderte sich auch der Begräbniskult. Nicht nur im Leben, auch im Tod wollten die Christen als Gemeinschaft vereint auf den jüngsten Tag der Auferstehung warten. Aus diesem Grund entstanden gemeinschaftliche Grabstätten. Bis zum 4. Jahrhundert nach Christus waren es meist Katakomben, also unterirdische Grabkammern, in denen die Toten ihre letzte Ruhe fanden.

Als sich das Christentum im Abendland durch die Anerkennung des römischen Kaisers Konstantin als Religion allgemein durchgesetzt hatte, entstanden vielerorts Kirchen. Um sie herum wurden umfriedete Grabstätten angelegt, die Kirchhöfe. Damit sollte die Nähe zu Gott zum Ausdruck kommen.

Im Kirchenlatein jener Zeit wurden die Kirchhöfe auch "Coemeterium" genannt, also "Ruhestätte". Dieses Wort findet sich heute noch im französischen "cimetière", im italienischen "cimitero" oder im englischen "cemetery" wieder.

Hohen kirchlichen Würdenträgern wie Bischöfen, aber auch weltlichen Fürsten und Königen, gewährte man das Recht, innerhalb der Kirchen begraben zu werden. Nicht selten wurde der Verwesungsgestank, der aus den Gruften in den Kirchenraum drang, unerträglich. Diese unhygienische Art der Bestattung rief Kritiker auf den Plan, aber man hielt zunächst noch an diesem besonderen Beerdigungsritus fest.


Von Beinhäusern und Massengräbern

Doch auch das Beerdigen an den Kirchen selbst, die ja meist eine zentrale Lage in den Dörfern hatten, wurde kritisiert. Bereits im Spätmittelalter gab es Bestrebungen, die Leichen nicht in unmittelbarer Nähe der Wohngebiete zu begraben. Die Totengräber wurden gerügt, wenn sie die Gruben nicht tief genug ausgehoben hatten und die Toten von streunenden hungrigen Hunden ausgebuddelt wurden.

Als im 14. Jahrhundert die Angst vor der Pest immer größer wurde, entstanden auf einen kaiserlichen Erlass hin auch außerhalb von Städten und Dörfern Friedhöfe. Der Name Friedhof geht übrigens nicht auf das Wort "Frieden", sondern auf die alt- und mittelhochdeutschen Wörter "frithof" oder "vrithof" zurück, was für "umfriedeter Platz" steht.

Auch das Gedankengut der Reformation sorgte ab dem 17. Jahrhundert dafür, dass nicht nur die Begräbnisse in den Kirchen, sondern auch die Begräbnisse innerhalb der Stadtmauern nach und nach abgeschafft wurden.

Doch erst im 19. Jahrhundert war es allgemein üblich geworden, Friedhöfe grundsätzlich außerhalb der Stadtmauern anzusiedeln. Man wollte damit auch das Platzproblem in den Griff bekommen. Die Bevölkerung wuchs, und die Städte boten nicht mehr genügend Raum für ihre Verstorbenen.

Zunächst half man sich damit, die Ruhefrist der Toten auf fünf bis sieben Jahre zu beschränken. Nach Ablauf dieser Frist wurden die Gebeine ausgegraben, gesäubert und in Beinhäusern aufbewahrt, wo Schädel und Knochen bis an die Decke gestapelt wurden. Auch mit Massengräbern versuchte man der Platznot Herr zu werden.


Fortschritt durch Napoleon

Erste Reformbestrebungen in der Bestattungs- und Friedhofsordnung hatte es bereits Ende des 18. Jahrhunderts im erzkatholischen, aber modern denkenden Österreich gegeben. Auch im benachbarten Bayern zeigte man sich offen für Neuerungen. 1789 entstand der erste kommunale Zentralbegräbnisplatz in München.
Das Bestattungsmonopol, das bislang die beiden Hauptkirchen innehatten, begann zu wanken. Die Kirche reagierte auf die Änderungen mit Protest, weil ihr die lukrativen Gruftgelder entgingen. Doch der Fortschritt ließ sich nicht mehr aufhalten. Besonders die französische Besatzungszeit brachte viele Neuerungen mit sich.

Durch Napoleons Reformdekret von 1804 wurde die Bestattungsordnung in den von ihm verwalteten Gebieten verweltlicht und neu gestaltet. Es entstanden riesige Friedhöfe außerhalb der Städte. Eines der schönsten erhaltenen Beispiele dafür ist der Kölner Melatenfriedhof. Die neue Reihengrabbestattung sollte dem Gleichheitsgedanken Rechnung tragen und durch eine üppige Bepflanzung wollte man gefährliche Ausdünstungen reduzieren, die angeblich durch die Verwesung entstanden.

Aus den tristen und unsystematisch wirkenden Friedhöfen waren Parkanlagen geworden, die nicht nur der Trauer und Erinnerung dienten, sondern auch zum Flanieren einluden.

In der nachnapoleonischen Zeit wich der Gleichheitsgedanke der einheitlichen Reihengräber allerdings wieder einem Standesdenken über den Tod hinaus. Reiche und angesehene Familien wurden in majestätischen Gruften an den Hauptwegen bestattet, die weniger Begüterten an den Nebenwegen. Diese Form der Friedhofshierarchie lässt sich sehr gut auf einer der berühmtesten Nekropolen der Neuzeit erkennen: dem 1874 eingeweihten Wiener Zentralfriedhof.


Religionsgemeinschaften in Deutschland

In Deutschland leben jedoch Menschen aus verschiedenen Religionen und Glaubensgemeinschaften. Verstirbt ein Mensch, so wünscht die Familie oft eine den Traditionen und dem Glauben entsprechende Bestattung. Bei den Bestattungen in den verschiedenen Religionen gibt es teils gravierende Unterschiede, aber auch einige Gemeinsamkeiten. Die traditionelle Form der Bestattung in den großen monotheistischen Religionen ist die Erdbestattung.


Besondere Bestattungsrituale der folgenden großen Weltreligionen findet man in Deutschland


Christentum

Deutschland ist ein christlich geprägtes Land. Daher sind die christlichen Bestattungs- und Trauerrituale vorherrschend. Die traditionelle Form der Bestattung im Christentum ist die Erdbestattung. Die Bestattungskultur hat sich in den vergangenen Jahren gravierend verändert, und somit wird die Form der Feuerbestattung immer häufiger auch von gläubigen Christen gewählt. Christliche Symbole, die Begleitung der Trauerfeier durch einen Geistlichen, das Aufstellen eines Kreuzes auf dem Grab sind jedoch auch bei vielen Feuerbestattungen fester Bestandteil des Abschieds und der Trauer. Abgelehnt wird hingegen von vielen gläubigen Christen die anonyme Bestattung.

Islam

Bei islamischen Bestattungen wird der Tote nicht in einem Sarg, sondern in einem Leichentuch beigesetzt. In Deutschland gilt jedoch weitestgehend die Sargpflicht. Dies hatte lange Jahre zur Folge, dass viele Verstorbene muslimischen Glaubens ihre verstorbenen Angehörigen in die Heimatländer überführen ließen, um sie dort traditionell bestatten zu lassen. Seit Ende der 90-er Jahre gibt es aber auch Ausnahmen, die sarglose Beerdigungen teilweise möglich machen. Vor allem in den größeren Städten findet man heutzutage Bestattungsunternehmen und Friedhöfe, die eine Bestattung entsprechend der muslimischen Rituale ermöglichen. Die ewige Ruhefrist ist ebenfalls Teil der islamischen Bestattungskultur. Das heißt, dass das Grab niemals eingeebnet oder neu belegt werden darf. Die Ewige Ruhefrist ist meistens jedoch nicht umsetzbar, da Gräber auf deutschen Friedhöfen eine begrenzte Ruhezeit haben.

Judentum

Jüdische Bestattungen gab es in Deutschland vor dem 2. Weltkrieg sehr häufig. Mit der fast vollständigen Vernichtung der jüdischen Kultur während der Zeit des Nationalsozialismus wurden auch viele jüdische Friedhöfe zerstört. Traditionell jüdische Bestattungen finden heutzutage nur selten statt. In Deutschland gibt es an die 2000 jüdische Friedhöfe. Auf vielen dieser Friedhöfe bestattet man heute nicht mehr. Sie dienen als Oase der Ruhe oder als Gedenkstätte. Vor allem jüdische Gemeinden unterhalten heutzutage jüdische Friedhöfe. Die traditionelle Bestattungsform im Judentum ist die Erdbestattung. Die Bestattung selbst und die Zeit der Trauer ist bei orthodoxen Juden von festen Ritualen und Regeln bestimmt, die den Angehörigen Kraft geben und über die Zeit der Trauer hinweghelfen sollen.

Buddhismus

Im Buddhismus gibt es viele unterschiedliche Strömungen. Trotz der Vielfalt haben sich einige Bestattungsrituale allgemein durchgesetzt. Im Gegensatz zur jüdischen und islamischen Bestattung sind im Buddhismus Erd- und Feuerbestattungen erlaubt. Im Mittelpunkt der buddhistischen Bestattungskultur steht der ewige Kreislauf von Geburt und Wiedergeburt: Verstirbt ein Mensch, so verlässt die Seele den toten Körper und sucht sich einen neuen. Nach Eintritt eines Sterbefalls erfolgt traditionell eine Aufbahrung des Verstorbenen. Der Verstorbene darf während der Aufbahrung nicht berührt werden, da man davon ausgeht, dass der Sterbeprozess noch nicht abgeschlossen ist und durch Berührung gestört werden könnte. In den Heimatländern dauert die Aufbahrung oft mehrere Tage. In Deutschland regeln die Bestattungsgesetze der Länder jedoch, wie lange man einen Verstorbenen zu Hause aufbahren darf. Die Beisetzung ist auf allen überkonfessionellen Friedhöfen möglich. Einige Bestatter in Deutschland haben sich mit den Ritualen buddhistischer Bestattungen vertraut gemacht und ermöglichen eine Bestattung entsprechend der Traditionen.

Hinduismus

Unter dem Begriff Hinduismus sind viele kleine Religionen zusammengefasst. Die Riten und Bräuche der Bestattung sind daher sehr unterschiedlich und ergeben sich aus der Region, der Familientradition und der Kaste. Einheitlich ist die Vorstellung eines sich stetig wiederholenden Kreislaufs von Geburt – Leben – Tod – Seelenwanderung und Wiedergeburt. Die Feuerbestattung ist die wichtigste Bestattungsart im Hinduismus. In den Heimatländern (z.B. Indien, Nepal, Bangladesch und Indonesien) werden die Verstorbenen öffentlich und unter freiem Himmel verbrannt. Die Asche wird anschließend dem Kreislauf der Natur übergeben und in einem Fluss oder im Meer verstreut. Verstirbt ein Angehöriger hinduistischen Glaubens in Deutschland, so lassen die Angehörigen die Urne meistens in das Heimatland überführen. Die Asche wird dort dem heiligen Fluss Ganges oder einem anderen Gewässer übergeben. In Deutschland wählen aber auch viele Hindus die Form der Seebestattung in der Ostsee oder der Nordsee, da diese der bekannten Form der Beisetzung am nächsten kommt.